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Für Europareiselustige

Donnerstag, 18.12.2014

Kaum zu glauben – wir sind nun bereits seit über 3 Monaten wieder in Deutschland und der Alltag hat uns erneut fest im Griff. Trotzdem wollen wir unseren Auslandsblog gerne noch mit einem letzten Eintrag vollenden. Und zwar mit Tipps und wichtigen Informationen vor allem für jene, die sich für ein ähnliches Abenteuer wie das unsere interessieren.

Zuhause auf 4 Rädern
Die erste und zugleich grundlegendste Entscheidung war die Wahl unseres mobilen Zuhauses auf Zeit. Da man sich bei Recherchen im Internet schnell für so manchen Luxus wie eine Dusche mit Warmwasser begeistern kann, haben wir unsere Suche mit vergleichsweise großen Fahrzeugen begonnen. Diese sind jedoch nicht nur in der Anschaffung teurer, sondern belasten auch die Reisekasse zusätzlich, z.B. durch höhere Gebühren für Maut und Fähren.
Da es zudem ein langgehegter Kindheitstraum von Christin war, irgendwann mal einen eigenen Bulli zu besitzen und VW T1 bzw. T2 für uns weder finanzierbar waren, noch für ein solches Abenteuer geeignet schienen, haben wir uns für einen T3 entschieden. An unserer Lotte gefällt uns (natürlich alles, aber) insbesondere das feste Hochdach, da ein Klappdach im Gegensatz dazu immer eine Schwachstelle bei Regen und/oder Wind darstellt. Außerdem erkennt jeder, dass man campt, sobald das Dach aufgestellt ist – und Camping ist nun mal nicht überall gerne gesehen. Indessen sind viele Menschen – sowohl in unserer deutschen Heimat, als auch im Ausland – erstaunt, dass wir oben unterm Dach schlafen (können) und wenn wir im Bulli übernachten, sieht es für Außenstehende aus, als wäre er verlassen und lediglich über Nacht abgestellt.
Weitere wichtige Kriterien beim Kauf waren für uns:
- Dieselmotor, da Diesel in beinahe allen europäischen Ländern günstiger ist als Benzin
- Campingausbau mit Spüle, Kochmöglichkeit und Kühlschrank (beides gasbetrieben)
- Stehhöhe – Felix ist 1,95m groß und konnte nicht in jedem Bulli mit festem Hochdach stehen…
Natürlich war der Bulli beim Kauf aber auch (noch) nicht perfekt auf unsere Bedürfnisse abgestimmt, deshalb haben wir die folgenden Dinge selbst nachgerüstet bzw. eingebaut:
- Camping-WC
- Solardusche, die bei ausreichend Sonne voll und ganz eine „richtige“ Dusche ersetzen konnte
- Wechselrichter 12V/220V (> 600 W) – v.a. nützlich zum Laden von Laptop, Handys, etc.

Keiner würde vermuten, dass dort oben jemand ist :) Ein festes Hochdach hat nicht nur Vorteile

Klima, Wetter und Reiseroute
Unser Bulli hat zwar eine Truma-Standheizung, aber keine Klimaanlage. Somit war es uns möglich, während der Wintermonate zu reisen (solange die Temperaturen über 0°C blieben), jedoch nicht bei 40°C im Schatten. Deshalb haben wir kurz vor unserem Aufbruch für die gesamte Reisezeit Klimainformationen für die verschiedenen Länder, die wir bereisen wollten, eingeholt und die grobe Routenplanung daran fest gemacht. Reisende sollten aber immer im Hinterkopf behalten, dass das Klima eines Landes nicht zwingend etwas mit dem aktuellen Wetter vor Ort zu tun haben muss. Selbst wenn die Reiseroute also auf das Klima abgestimmt ist, sollte man je nach Wettervorhersage bereit sein, von den ursprünglichen Plänen abzuweichen und ggf. andere Regionen zu besuchen.

5 Tage Dauerregen an der Côte d'Azur im Januar - Eigentlich bekannt für viel Sonne & milde Winter

Stellplätze
Da nur etwa ein Drittel aller Übernachtungen mit Kosten verbunden war, haben wir auf unserer Reise viel Geld gespart. Wo und wie man geeignete Stellplätze (auch ohne Stellplatzführer!) findet, um die Unabhängigkeit, die ein Wohnmobil bietet, auch nutzen zu können, haben wir schon hin und wieder im Blog thematisiert – trotzdem wollen wir an dieser Stelle nochmal einige Tipps und gesammelte Erfahrungen zusammenfassen.
In Frankreich ist die Suche nach einem Übernachtungsplatz entlang der Küste sehr viel schwieriger als im Landesinneren, da die Küstenregionen sehr bevölkerungsreich und dadurch dicht bebaut sind. Außerdem gibt es in Strandnähe vielerorts Höhenbegrenzungsschranken oder Absperrungen bzw. Verbote für Wohnmobile. So sind z.B. im Département Landes, im Südwesten Frankreichs am Atlantik gelegen, für Wohnmobile die Nutzung vieler Straßen und Parkplätze und nachts sogar das Passieren ganzer Ortschaften untersagt.
In Spanien und Portugal gestaltet sich die Stellplatzsuche direkt an Steilküsten und Stränden viel einfacher; wenn man am Strand des Atlantik übernachtet, sollte man aber unbedingt auf Ebbe & Flut achten und lieber mehr Abstand zum Wasser halten! Doch egal, ob in Städten oder auf dem Land, am Meer oder im Landesinneren: wir haben immer recht entspannt einen Schlafplatz gefunden, ohne die Einheimischen zu stören oder zu verärgern. Als Tipp können wir noch Bauruinen empfehlen – die Wirtschaftskrise hat die südlichen Länder ganz schön hart getroffen und allzu oft sind wir durch richtige Geisterstädte gefahren, in denen der Neubau zahlreicher Wohnsiedlungen aufgrund mangelnder Gelder oder Kaufinteressenten vor Fertigstellung abgebrochen wurde. Wenn man solche Orte findet, liegen sie meist direkt am Strand, sind auf nagelneuen Straßen zu erreichen und trotzdem seelenruhig.
Obwohl jede freie Fläche in dichter besiedelten Ländern wie den Niederlanden, Belgien, Großbritannien oder Italien auch genutzt wird, haben wir z.B. in den Benelux-Ländern vor allem an Kanälen und Radwegen oft Rast- oder Parkplätze gefunden, auf denen man ohne Probleme übernachten konnte. Ansonsten findet man solche (Wander-)Rastplätze in vielen Ländern häufig auch in Natur- oder Nationalparks.
Achtung: In Skandinavien ist es offiziell verboten, auf Park- oder Rastplätzen im Wohnmobil zu übernachten. Wir wollen euch nicht dazu anstiften, haben jedoch selbst die Erfahrung gemacht, dass sich niemand dafür interessiert. Sicher hilft es, wenn man nicht gleich eine ganze Woche dort campt und selbstverständlich sollte man den Platz sauber hinterlassen. Anzumerken ist noch, dass diese Park- und Rastplätze sehr oft auf Informations- bzw. Wanderkarten zu dem jeweiligen Gebiet eingezeichnet und somit leicht zu finden sind. Genau wie in Frankreich sind auch in Skandinavien die Küsten dichter besiedelt und bebaut, was die Stellplatzsuche erschwert. Vor allem in Schweden ist es daher einfacher, an den zahlreichen Seen des Landes nach einem sog. „badplatsen“ – also Badeplatz – zu suchen und den zugehörigen Parkplatz für die Nachtruhe zu nutzen.
Wenn all diese Tipps nicht weiterhelfen und mal Not am Mann ist: wir haben mitunter an kleineren, wenig befahrenen Landstraßen einfach irgendwo am Wegrand geparkt und dann dort übernachtet…

Fernab von Portugals Küste eignen sich Stauseen zum Übernachten In Schweden üblich: Parkplatz mit Plumpsklo
Einfach rechts ran und gute Nacht!

Wasserversorgung – Weil man von Luft & Liebe allein nicht leben kann
Da ausreichende Wasservorräte enorm wichtig sind, wollen wir in diesem Absatz unsere Erfahrungen hierzu mit euch teilen. Mit den 45 Litern Frischwasser im Tank am Unterboden unseres Bullis kamen wir für etwa 5-6 Tage aus, wobei es jedoch darauf ankommt, wie oft man die Solardusche füllt, Haare wäscht, etc. In jedem Fall lernt man nach einigen Wochen unterwegs recht schnell, Wasser zu sparen – insbesondere bei oft anstehenden Tätigkeiten wie Zähneputzen, Abwaschen oder Händewaschen.
Frisches Wasser, um den Tank wieder neu zu befüllen, war fast immer leicht zu finden, sei es an Tankstellen, öffentlichen Quellen oder alle paar Tage mal auf einem Campingplatz. Es gab jedoch auch Zeiten, in denen wir Wasser mit einem Eimer aus Hotels oder einem McDonald’s geholt haben (vor allem in der Nebensaison, als vieles geschlossen hatte).
Mit der Haltbarkeit unseres Wassers hatten wir eigentlich nie Probleme. Zwar haben wir im Baltikum einmal unser Wasserkonservierungsmittel benötigt, dies jedoch nicht aufgrund von Hitze und vermehrten Bakterienwachstums, sondern weil die Wasserqualität auf einem Campingplatz unglaublich schlecht war. Um vor allem bei sommerlichen Temperaturen kein Risiko einzugehen, haben wir hin und wieder das Wasser im Tank komplett abgelassen und ihn dann neu befüllt.
Da man jedoch nie weiß, wie sauber das Wasser im Tank ist, haben wir zum Trinken und Kochen ausschließlich in Flaschen abgefülltes genutzt.

Gasversorgung
Wir waren mit zwei 5kg Gasflaschen unterwegs, so dass wir immer eine volle Ersatzflasche griffbereit hatten. Außerdem haben wir kurz vor Reisestart verschiedene Adaptersets zum Befüllen und Anschließen fremder Flaschen gekauft – diese jedoch nie benötigt. Da es sich bei unseren beiden Gasflaschen um private handelt, die eigentlich nur von speziellen Firmen befüllt werden dürfen, hatten wir in Deutschland mit dem Auffüllen die größten Probleme. Diese Vorschrift steht aber zum Glück nur in deutscher Sprache auf den Flaschen, so dass es im Ausland damit keinerlei Schwierigkeiten gab. :)
Insgesamt waren 4 Befüllungen vonnöten:
- Die 1. Befüllung haben wir – wie bereits im entsprechenden Blogeintrag erwähnt – in der Nähe von Porto, Portugal (GPS-Koordinaten: N 40° 57.578′ W 8° 36.954′) vornehmen lassen.
- Das 2. Mal ist unsere Gasflasche direkt nach der Ankunft in Schweden leer geworden. Wir haben sie jedoch erst in Norwegen befüllt, da wir gelesen haben, dass es dort einfacher ist. Dem war auch so: bei lpgnorge (unter http://www.lpgnorge.no/stasjonsoversikt/ findet man eine Auflistung aller Stationen in ganz Norwegen) wurde unsere Flasche ohne Probleme befüllt, jedoch lag der Preis mit 19€ deutlich über dem sonst üblichen.
- Die 3. Befüllung war in Polen fällig und wurde an einer kleinen, privaten Gastankstelle für 9€ ohne Schwierigkeiten vorgenommen.
- In Kroatien wollten wir zum 4. und letzten Mal unsere Gasflasche auffüllen lassen. Wie wir feststellen mussten, ist es dort aber scheinbar gar nicht mehr möglich, deutsche Flaschen befüllen zu lassen. Dafür hat es dann wenig später in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana bei Butan Plin für 13€ problemlos geklappt.

... Und 'ne Buddel voll Gas!

Und wenn’s mal nicht so rund läuft…
Was wir jedem mit einem ähnlichen Vorhaben ans Herz legen, ist eine ADAC Plus-Mitgliedschaft. In Anspruch genommen haben wir die Hilfe des ADAC gleich zweimal: das 1. Mal, als uns in Spanien die Frontscheibe gesprungen ist und das 2. Mal als unsere Zylinderkopfdichtung in Norwegen den Geist aufgegeben hat. Den Mitgliedsbeitrag von ca. 70€ pro Jahr haben wir jedenfalls definitiv bis an unser Lebensende raus…
Für kleinere Bulli-Probleme hatten wir eine riesige Werkzeugkiste dabei, deren Inhalt auch öfter Mal zum Einsatz kam. Das spart Geld und außerdem ist man unabhängiger, wenn man nicht wegen jeder Kleinigkeit eine Werkstatt aufsuchen muss!

Ob Keilriemen ersetzen… ... oder Scheibe abdichten - Man(n) kann kleinere Reparaturen problemlos selbst durchführen
Christin hat mit ihrem Notfall-Nähzeug die eine oder andere Kleidungs''panne'' behoben

Wir wünschen euch viel Spaß bei eurem nächsten Abenteuer, zahlreiche unvergessliche Momente und allzeit gute Fahrt!

Unser Bulli ist jetzt wieder da, wo Zuhause ist.

Montag, 08.09.2014

Die letzte Etappe unserer Europareise hat uns durchs wunderschöne Österreich geführt. Am Wörthersee entlang ging es bis nach Graz. Bei einem ausgedehnten Spaziergang durchs Grazer Umland wurden wir – trotz der auffälligen Touristenausstattung mit Kamera und Wanderrucksack – wiederholt herzlich von den Einheimischen gegrüßt. Das mag vielleicht banal klingen, ist uns aber so noch in keinem anderen europäischen Land passiert. Also: ein sehr freundliches und offenes Volk, unsere Nachbarn!
Unser nächstes Ziel war die österreichische Hauptstadt, wo wir für 4 Tage bei Willi und Eszter gewohnt haben. Nach einem warmherzigen Empfang in Wien haben wir erfahren, dass Willi an diesem Tag einen runden Geburtstag feiert! Die beiden haben es sich nicht nehmen lassen, uns zum Essen und Anstoßen einzuladen, doch auch sonst hätten wir die Reise nicht schöner abschließen können. Bei angeregten Gesprächen bis in die Nacht haben wir viel über die beiden erfahren. Willi war – nur mit einem Rucksack – 15 Jahre in der ganzen Welt unterwegs. So gab es viel zu erzählen übers Reisen, Österreich, Deutschland und die Welt. ;)

Irgendwas muss der Wörthersee verbrochen haben, denn man hat ihn eingesperrt Auf, auf zum Glockenturm - Das Wahrzeichen von Graz Katharinenkirche in Graz
Das kann Christin nur bestätigen :D Happy Birthday, Willi!

Natürlich haben wir das charmante Wien während unseres Aufenthaltes bei Willi und Eszter auch besichtigt. Was gibt es dazu noch zu sagen? Wie kann man eine Stadt nicht mögen, die mit dem Prater einen riesigen Vergnügungspark mitten im Zentrum hat? :)
Sehr angetan waren wir von der guten österreichischen Küche; egal ob herzhaft oder süß – alles wird mit viel Liebe und Sorgfalt zubereitet, die Portionen sind riesig und die Preise viel billiger als gedacht!

Der Wiener Stephansdom Das Schloss Belvedere
Der berühmte Prater

Hoch oben im Riesenrad Beim ''Brückenwirt'' im Süden Wiens...
... waren wir sogar ein 2. Mal essen - Sehr zu empfehlen! Eine Wiener Spezialität - Sachertorte

Da die slowakische Hauptstadt Bratislava nur 80km von Wien entfernt ist, haben wir sie damals auf der Fahrt durch die Slowakei bewusst ausgelassen und erst jetzt einen Abstecher dorthin gemacht. Die Stadt ist – genau wie Wien – an der Donau gelegen, so dass es neben vielen Sehenswürdigkeiten in der historischen Altstadt auch eine lange Promenade gibt, die zum Flanieren einlädt.

Panoramablick auf Bratislava

Bratislavský hrad

Nachdem wir uns von unseren fürsorglichen Gastgebern verabschiedet haben (Nochmals vielen Dank für alles, ihr Zwei!) haben wir endgültig den Heimweg angetreten. Obwohl es an diesem Tag wie aus Kübeln gegossen hat, haben wir in Salzburg angehalten und die Geburtsstadt von Mozart in Gummistiefeln und mit Regenschirmen bewaffnet erkundet.
Von dort aus waren es zwar nur noch wenige Kilometer bis zur deutschen Grenze, allerdings trennten uns immer noch mehrere Hundert von der Heimat. Für diese Strecke wollten wir uns Zeit lassen, so dass wir noch einige Tage unterwegs waren. Beim Check-in auf unserem allerletzten Campingplatz (bereits auf deutschem Boden) mussten wir doch sehr schmunzeln, denn dort haben wir einen Wohnmobil-Stellplatzführer für ganz Europa geschenkt bekommen. :D Nun ja, wir haben es auch ohne geschafft!

Das schöne Salzburg im Regen Nicht mal das nass-kalte Wetter in Deutschland kann die Erinnerungen an die Reise trüben
Ohne Stellplatzführer war's oft abenteuerlich - Umso besser ;)

Wir sind also wohlbehalten wieder Zuhause angekommen. Zeit, ein Fazit zu ziehen! Wir sind – neben vielen anderen Gründen – losgezogen, um herauszufinden, ob es uns irgendwo in Europa vielleicht besser gefällt als hier in Deutschland. Trotz der vielen neuen Eindrücke und Erfahrungen ist das eigentlich nicht der Fall. Wir sind sehr glücklich mit unserem Heimatland und wissen jetzt definitiv manche Dinge mehr zu schätzen, als es noch vor der Reise der Fall war. Ganz ehrlich: ein Hoch auf all die ultraschnellen Kassierer an den Supermarktkassen, unsere Autobahnen und natürlich dunkles Brot und gutes Bier! :)
Außerdem: so schön das Reisen auch ist, wir haben erstmal genug davon… Wir freuen uns riesig darauf, dass die Tage nun wieder geregelt und damit „langweilig“ werden. Morgens aufstehen und schon genau wissen, wie der Tag enden wird – genial! Das wird auch genau das Richtige sein, um all die Erlebnisse und Erinnerungen zu verarbeiten und sacken zu lassen.
Bleibt uns nur noch eins zu schreiben… DANKE fürs Lesen, eure Kommentare & E-Mails, das Interesse, die Unterstützung und die aufmunternden Worte, wenn es mal nicht so lief, wie wir es uns gewünscht haben! Es hat Spaß gemacht, unsere Reiseerlebnisse mit euch zu teilen!

Heimkehr Danke!

Nur noch Seen sehen, aber kein Meer mehr

Freitag, 29.08.2014

Im wunderschönen Venedig haben wir unseren Aufenthalt in Italien begonnen. Da wir gerne mehrere Tage am Mittelmeer verbringen wollten, haben wir uns im Küstenort Caorle 65km nordöstlich von Venedig in einem niedlichen Bed & Breakfast niedergelassen. Wir waren überrascht, dass wir im August, ohne etwas gebucht zu haben, so leicht eine Unterkunft gefunden haben. Aber die belgische Besitzerin hat uns dann später den Grund erzählt: Italien muss wegen des sehr bescheidenen Wetters mit viel Regen und herbstlichen Temperaturen in diesem Jahr ca. 70% weniger Touristen als sonst verbuchen!
In Venedig haben wir nach 8 Monaten on tour noch eine Reisepremiere erlebt: wir haben uns den Sonnenaufgang angeschaut. Es war atemberaubend schön – die Stadt hat noch geschlafen und wir waren somit alleine unterwegs in den kleinen verwinkelten Gassen entlang der vielen Kanäle.

Unser B&B Casa Pace - Das Haus des Friedens Mit viel Liebe eingerichtet
In Caorles Altstadt Die Strandpromenade von Caorle
Venedig - Alles schläft noch Aufstehen um 3.00 Uhr hat sich definitiv gelohnt
6.13 Uhr - Sonnenaufgang in Venedig über dem Canal Grande Blick von der Ponte dell’Accademia
Piazza San Marco 7.00, 9.00 und 10.00 Uhr - Es füllt sich :)

Anschließend haben wir dem Meer – zumindest bezogen auf unsere Europareise – endgültig den Rücken gekehrt und sind durch unzählige Weinanbaugebiete, in denen die Ernte in vollem Gange war, zum Gardasee gefahren. Der größte See Italiens liegt zu Füßen der herrlichen Alpenkulisse und ist somit ein einmaliges Naturerlebnis. Von einem jungen italienischen Paar, das auch zu Gast im B&B war, wurde uns die Besichtigung von Sirmione ans Herz gelegt. Diese kleine Hafenstadt liegt am Südufer des Gardasees und ein Teil der Ortschaft ragt auf einer langgezogenen Halbinsel in den See hinein.

Bald reif - Demnächst in flüssiger Form Am Ostufer des Lago di Garda
Castello Scaligero in Sirmione

Nach der Fahrt am Gardasee entlang ging es hoch hinaus in die Alpen. Im bezaubernden Südtirol bieten sich überall atemberaubende Ausblicke auf Täler, Bergseen und Berge, deren Gipfel im Nebel versteckt sind. Als größere Stadt Norditaliens haben wir Bozen besichtigt, können diese aber nicht zu 100% empfehlen… Es ist eine schöne Stadt, die aber unserer Meinung nach mit der malerischen Landschaft ringsherum lange nicht mithalten kann.

Wir hatten Glück mit dem Wetter - Blauer Himmel über den Südtiroler Alpen Schloss Maretsch in Bozen
Walther-von-der-Vogelweide-Platz im Herzen von Bozen

Ciao!

Von der Erkundung Kroatiens und Sloweniens

Sonntag, 24.08.2014

Unsere Route hat uns durch den überraschenderweise sehr grünen Norden Kroatiens unmittelbar nach Zagreb geführt. Diese vergleichsweise kleine und überschaubare europäische Hauptstadt hat viele bezaubernde Ecken und ist scheinbar noch ein echter Geheimtipp, denn der mittlerweile vertraute Anblick von hunderten eifrig knipsenden Touristen ist ausgeblieben.

Das kroatische Nationaltheater in Zagreb St.-Markus-Kirche
Gornji Grad - Unterwegs in der Oberstadt

Danach haben wir den wunderschönen und berühmten Nationalpark „Plitvicer Seen“ besucht. Hier wiederum war uns zwar klar, dass wir auf viele andere Touristen treffen würden, dass man sich aber anstellen muss, um einen Wasserfall zu fotografieren, hat uns dann doch etwas erstaunt… Wir fanden die Plitvicer Seen auf jeden Fall sehenswert, empfehlen jedoch, die Hauptsaison zu meiden – wahrscheinlich ist es zur herbstlichen Laubfärbung sowieso noch schöner als jetzt im Sommer. ;)
Auf der anschließenden Fahrt durch die Region südlich des Nationalparks fühlten wir uns stark an Westernfilme erinnert – kein Wunder, Winnetou wurde sogar teilweise hier gedreht.

Plitvic̄ka jezera

Beliebtes Reiseziel - 1h Wartezeit am Eingang zum Nationalpark Vielerorts verbinden Wasserfälle die kaskadenförmig angeordneten Seen
Glasklares Wasser Der ''Veliki slap'' mit einer Fallhöhe von 78m
Überall rauscht und plätschert es Wie im wilden Westen

Von dort aus war es nicht mehr weit bis an die kroatische Adriaküste. Das Mittelmeer war eine willkommene Abwechslung, vor allem weil wir seit der baltischen Ostsee an keiner Küste mehr waren und das erste Mal seit dem Beginn unserer Reise Badewetter und der Aufenthalt am Meer zusammenfielen. :)
Nach ein paar Tagen Badeurlaub in Seline sind wir an der Adria entlang Richtung Norden gefahren. Das nächste Ziel sollte Slowenien sein, die Fahrt dorthin erwies sich jedoch als sehr bergig. Wir mussten einige Zwischenstopps einlegen, sonst wäre uns wohl der Motor überhitzt… Naja, das hat man davon, wenn man – um viel vom Land zu sehen und die Maut zu umgehen – alle Autobahnen meidet!

Baden von früh... ... bis spät
Pause in den Bergen - Der Motor dankt's

Wir hatten keinerlei Vorstellung, was uns in Slowenien erwartet, waren aber sehr positiv überrascht. Obwohl das Land nur so groß ist wie das Bundesland Sachsen-Anhalt, ist es für uns landschaftlich eines der schönsten Länder Europas. Außerdem sind uns die Menschen durchweg sehr freundlich und offen begegnet.
Die Hauptstadt Ljubljana hat viel Charme, lockt aber – ähnlich wie Zagreb – vergleichsweise wenige Touristen an. Als Abschluss haben wir uns bei sehr angenehmen Temperaturen (leider aber auch viel Regen) den Westen Sloweniens angeschaut, welcher mit den vielen Alpenausläufern und der mediterranen Bauweise der Häuser an die Nachbarländer Österreich und Italien erinnert.

Der Drache ist das Wahrzeichen der Stadt Ljubljana Zmajski most - Die Drachenbrücke
Dreifaltigkeitskirche, Ljubljana Blick aus dem Fenster ins verregnete Slowenien
Die Höhlenburg Lueg

Nasvidenje!

Magyarország (auch bekannt als Ungarn)

Sonntag, 17.08.2014

Unsere Zeit in Ungarn haben wir direkt mit dem Besuch der Hauptstadt begonnen. Einige Tage zuvor hatten wir uns hierfür ein Zimmer bei einer Familie am Rande von Budapest organisiert. Im Vergleich zu den letzten Malen in Paris und Stockholm hatten wir mit dieser Privatunterkunft wirklich Pech. Wir glauben, dass die Familie aus 4 Mitgliedern bestand, doch es handelte sich um ein sogenanntes „offenes Haus“ – so kamen und gingen den ganzen Tag alle möglichen Leute, weshalb es uns schwer fiel, den Überblick zu behalten.
Außerdem wohnte neben 2 unscheinbaren Katzen noch ein weniger unscheinbarer Hund in unserer Unterkunft für 2 Tage, welcher sehr schlecht erzogen und groß wie ein Pony war. Nachdem er Felix bei unserer Ankunft angesprungen und bis hoch ans Kinn besudelt hatte, schien er sich von ihm bedroht zu fühlen und zeigte sich aggressiv. So war es uns nicht mehr möglich, einen Schritt auf dem Grundstück ohne fremde Hilfe zu machen. Aber zum Glück war ja immer irgendjemand da... :-| Natürlich durften alle Tiere ins Haus und dementsprechend sah es dort auch aus – es wurde wohl nicht allzu oft geputzt, denn es war sehr dreckig und überall lagen und hingen Tierhaare. Doch genug gemeckert, schließlich gehört so etwas auch mal dazu!
Budapest an sich hat uns super gefallen. Wir sind insgesamt ca. 15km durch die Stadt gelaufen und waren abends zwar erschöpft, haben dafür aber fast alles gesehen, was für uns sehenswert schien.

Unser Zuhause in Budapest Budapest - An der Donau
Blick vom Burgviertel Das Riesenrad am Beginn der berühmten Andrássy Straße
Ein leichter Sommerregen machte den Tag erträglich

Da wir anschließend unbedingt erstmal Wäsche waschen mussten, allerdings nicht nochmal einen Reinfall erleben wollten, haben wir im Internet nach beliebten und gut bewerteten Campingplätzen in der Nähe von Budapest gesucht. So sind wir in Cegléd gelandet, wo ein Campingplatz diese Kriterien erfüllte. Beim Einchecken wurde uns auch der Grund hierfür klar – im ohnehin schon fairen Preis von 22€ pro Nacht war der Eintritt für ein direkt daneben liegendes Spa & Thermalbad und sogar einen großen Wasserrutschenpark inbegriffen. Eigentlich wollten wir nur eine Nacht bleiben, haben dann jedoch auf 4 Nächte verlängert, weil es uns so gut gefiel und sich gut mit dem Sommerwetter vereinbaren ließ. Zum 1. Mal haben wir auf der Reise also wirklich Urlaub im klassischen Sinne gemacht, ohne uns abzuhetzen und jeden Tag etwas anderes anzuschauen oder neue Probleme zu lösen...

Nach dem Rutschen... ... Entspannung im Thermalbad
Felix auf der Pendelrutsche

Nach unserem Urlaub vom Urlaub haben wir beschlossen, an den Balaton zu fahren. Jetzt im August eine Touristenhochburg aufzusuchen, stellte sich im Nachhinein jedoch als weniger gute Idee heraus. An vielen Stellen kamen wir gar nicht erst ans Wasser, da es entweder Privatgelände oder aber nicht als Badestrand gedacht und somit verschilft war. An den eingerichteten Badestränden hingegen lag man dicht bei dicht wie in einer Fischbüchse. Also haben wir kurzerhand den Badespaß durch ein Kulturprogramm ersetzt und die Halbinsel Tihany und das Hinterland besucht, bis wir schließlich nach Kroatien aufgebrochen sind.

Im Hintergrund der Balaton, der größte See Mitteleuropas In Tihany
Wer suchet, der findet - Ein ruhiger Campingplatz am Balaton abseits der Touristenströme Immer wieder schön

Viszlát!

Ein Blick auf unsere Teller, statt über den Rand

Montag, 11.08.2014

Da wir auf bisherigen Blogfotos bei den Mahlzeiten meist in Restaurants zu sehen sind, soll dieser Eintrag zeigen, dass wir auch selbst kochen können. :)
Leckere Gerichte fern ab von Tütensuppen und Konserven stehen im Bulli nämlich des Öfteren auf dem Speiseplan. Man muss sich jedoch stark einschränken, da wir in unserer „Küche“ nur 2 Gaskochfelder haben, so dass höchstens 2 kleine Töpfe nebeneinander passen. Wir haben uns daher schon damals in Spanien einen kleinen Campingkocher gekauft, der nicht nur eine weitere Flamme bereitstellt, sondern es ermöglicht, in der Natur zu kochen. Das ist eine wahre Hilfe, denn so bleiben unser Wohn- und Schlafzimmer, welche extrem nah an der Küche liegen, geruchsneutral. ;)

Ein Blick in unsere Wohnküche Und schon wird es eng auf dem Herd
Nichts für Wind & jedes Wetter, aber für den Sommer optimal! Einfach mal Schnittchen - Es muss ja nicht immer ein 3-Gänge-Menü sein

Natürlich kommt jetzt im Sommer auch endlich häufiger unser Grill zum Einsatz, so dass es sich doch gelohnt hat, diesen seit Beginn unserer Reise im Kofferraum spazieren zu fahren. Beim Grillen darf es auch gerne mal etwas anderes neben Steak und Würstchen sein – Fisch, Folienkartoffeln, Maiskolben, Riesenchampignons oder geröstete Marshmallows als Dessert bieten eine nette Abwechslung.

Wo Rauch ist, ist auch Feuer Eben noch im See und schon auf dem Grill
Der Chef empfiehlt: Folienkartoffeln mit Kräuterquark Nächtliche Impressionen

Um wirklich frischen Fisch auf den Grill zu bekommen, haben wir uns in der Slowakei einen ruhigen, abgelegenen See im Grünen gesucht. Da wir Angelsehne und Haken dabei hatten, war eine Angel schnell improvisiert. Zwei Tage lang hat Felix erfolgreich geangelt, Christin stundenlang Bücher gelesen und nachts haben wir nur das Zirpen der Grillen gehört.
In der 2. Nacht dort kam gegen 23.00 Uhr jemand mit Taschenlampe über die Wiese, auf der wir standen, schnurstracks zu unserem Bulli. Er erklärte uns auf Deutsch (mitten im slowakischen Nirgendwo!), dass diese Wiese und der See Privatgelände seien. Er wollte, dass wir sofort verschwinden und drohte uns außerdem mit einer saftigen Geldstrafe! Felix meinte dann ganz ruhig und sachlich, dass wir das aufgrund fehlender Schilder nicht wissen konnten... Naja, wir haben dann alles schnell zusammen gepackt und haben zugesehen, dass wir Land gewinnen. Wir haben uns fix einen anderen Schlafplatz gesucht, aber der Schreck hat uns noch eine ganze Weile in den Knochen gesteckt!

Zum Angeln braucht man keine Profiausrüstung Der erste Fang von vielen
300 Seiten an einem Tag? Kein Problem! Ein See nur für uns? Zu schön, um wahr zu sein...

Was ist sonst in letzter Zeit passiert? Wir sind quer durch die Slowakei gefahren und haben uns (um der Hitze zu entkommen) für 3 Nächte in einer kleinen Pension ein Zimmer genommen. Rein zufällig sind wir dabei in Bojnice gelandet, einem wahren Touristen-Mekka mit einem beeindruckenden Schloss. Somit gab es hier zwar einiges zu sehen, aber trotzdem blieb viel Zeit, um die kommende Route durch Ungarn zu planen.

Am Tage prachtvolles Märchenschloss... ... bei Nacht eher düstere Burg

Dovidenia!

Ein ganz normaler Sommertag im Bulli

Montag, 04.08.2014

Mittlerweile ist es August und damit wohl an der Zeit, das Pendant zum „Wintertag im Bulli“ zu schreiben… Für unser Leben im Bulli bringt der Sommer vor allem 2 Veränderungen mit sich: zum einen können wir uns jetzt deutlich mehr im Freien aufhalten; zum anderen benötigen wir unsere Gasvorräte jetzt nicht mehr zum Heizen, sondern für den Kühlschrank. Ansonsten dauern die alltäglichen Dinge nach 7 Monaten on tour nicht mehr so lange, wie noch im Januar und wir haben zum Glück keine Probleme mehr mit Luftfeuchtigkeit – dafür aber natürlich andere.
Wenn draußen 30°C sind, heizt es sich im Bulli schnell mal auf 50°C auf. Deshalb haben wir für den Sommer kleine „Helfer“, die die Hitze etwas erträglicher machen. Als wir den Bulli gekauft haben, gab es für die Frontscheibe und die beiden vorderen Seitenscheiben passende Sonnenschutzmatten dazu – damals wussten wir nur noch nicht, dass sich diese mal als sehr nützlich erweisen würden. ;) Außerdem haben wir uns einen 12Volt-Ventilator gekauft und eine kleine Sprühflasche, die mit kaltem Wasser gefüllt zwischendurch für Abkühlung sorgt.

47°C im Bulli - Und es wird noch heißer...

Summer in the City - Feuerwehrschläuche sorgen für Abkühlung

Da wir bei den derzeitigen Temperaturen mindestens einmal am Tag das Bedürfnis haben, zu duschen, bietet sich an dieser Stelle ein „Best of“ unserer bisherigen Duschmöglichkeiten auf der Reise an:

- Hotels, Pensionen und andere Unterkünfte
- Campingplätze
- Duschmöglichkeiten für Fernfahrer (z.B. in manchen Restaurants und Tankstellen)
- öffentliche Schwimmbäder
- Uni-Sportzentren
- Strandduschen
- kleinere Sporthäfen
- auf größeren Fähren und in den entsprechenden Hafengebäuden
- Freunde oder Bekannte besuchen
- unsere Solardusche (sie fasst 20l Wasser und lässt sich z.B. an jeder Tankstelle befüllen)
- klare Seen und Bäche – zwar keine klassische Dusche, aber im Sommer oft sogar besser ;)

Ein abgelegener & sauberer See - Gar nicht so leicht zu finden!

Neben Hitze und dem erhöhten Duschbedarf haben wir auch mit Mücken, Käfern & Co. zu kämpfen. Bereits zu Beginn der Reise hatten wir für die Dachfenster Fliegengitter dabei, vor ein paar Wochen haben wir jedoch nochmal welches nachgekauft und für die beiden vorderen Fenster und die Schiebetür etwas improvisiert, was erstaunlich gut hilft! So können wir Fenster und Tür abends zur Abkühlung offen lassen, ohne dass Insekten den Weg in den Bulli finden...

Endlich mückenfrei Insekten - Wir müssen leider draußen bleiben!

Als recht anspruchsvoll gestaltet sich allabendlich die Stellplatzsuche. Damit es nicht morgens 5.30 Uhr schon zu warm im Bulli wird, um zu schlafen, achten wir genau darauf, wo wann Schatten ist und vor allem auch, wo die Sonne aufgeht. Einen Kompass überflüssig macht allerdings ein Schlafplatz im Wald – dort ist es nahezu überall schattig und vor allem auch ein paar Grad kühler. Campingplätze versuchen wir hingegen weitestgehend zu vermeiden, da es dort oft nicht allzu viel Schatten gibt und wenn, dann sind diese Plätze natürlich auch heiß begehrt...

Kein Platz an der Sonne ;) In der prallen Sonne auf einem tschechischen Campingplatz

Mit Tschechien hat unsere Reise in den Südosten Europas und somit auch der letzte Abschnitt unseres Abenteuers begonnen. Aufgrund der Hitze haben wir jedoch insbesondere Städte gemieden und deshalb auch Prag weiträumig umfahren. Dafür haben wir uns – während wir von einer Dusche zur nächsten getingelt sind – viel in der Natur aufgehalten und sind in Gegenden gekommen, die erstaunlicherweise noch touristisch unerschlossen waren.

Trotz Hitze den Gipfel des Klíč erreicht Sommerblumenwiese.
Rast im Lužické hory Die Ruine der Burg Trosky

Genießt den Sommer!

Zeit, einen Gang runterzuschalten!

Sonntag, 27.07.2014

Da die Silberhochzeit von Christins Eltern genau in den Zeitraum unseres Auslandsaufenthaltes fiel und wir natürlich gerne dabei sein wollten, wussten wir bereits vor Reisebeginn, dass wir währenddessen einmal nach Hause kommen werden. So waren wir nun also innerhalb der letzten 2 Monate schon das 3. Mal in Deutschland, aber doch das 1. Mal „richtig“ Zuhause, denn sonst haben wir es ja nur bis nach Flensburg geschafft.
Als wir nach der Bulli-Panne wieder in Flensburg gestartet sind, war somit klar, dass uns für Polen, das Baltikum und den Rückweg nach Deutschland nur 2,5 Wochen bleiben… Dementsprechend schnell waren wir natürlich auch unterwegs – sonst fahren wir meistens 100-200km am Tag, die letzten Wochen waren es oft 300-400! Für uns war das viele Fahren auf den häufig sehr schlechten Straßen mehr Stress als alles andere und man bekommt bei dieser Reisegeschwindigkeit leider auch nicht wirklich viel von Land und Leuten mit (das gilt sowohl für Polen, als auch für das Baltikum).

Wer viel sehen möchte, muss fahren, fahren, fahren!

Nach der Tour durchs Baltikum haben wir unsere Route in Polen fortgesetzt, wo wir uns Warschau und Krakau angeschaut haben. Während Warszawa, von wo aus Polen regiert wird, im 2. Weltkrieg fast vollständig zerstört und anschließend umfangreich restauriert wurde, ist Polens heimliche Hauptstadt Kraków – die uns sogar noch ein bisschen besser gefallen hat – wie durch ein Wunder unversehrt geblieben.

Bei über 30°C Warschau erkunden... Palac Kultury i Nauki, Warszawa Stare Miasto - Warschaus Altstadt
Krakau - Eine der ältesten und schönsten Städte Polens Ist das jetzt Straßenkunst oder Kunst auf der Straße? :)

Von Krakau aus sind wir dann in Richtung Heimat gestartet. Da es sowieso auf dem Weg lag, haben wir für eine Nacht einen Zwischenstopp in Dresden eingelegt und Freunde besucht.
Zuhause angekommen, haben wir 2x25 Jahre gefeiert – die Silberhochzeit von Christins Eltern fiel nämlich mit Felix‘ 25. Geburtstag zusammen. Zu diesem Anlass haben wir auch endlich Felix‘ Familie mal wieder gesehen, die es sich nicht nehmen ließ von Brandenburg in den Harz zu kommen.

Gemütlicher Abend in Dresden

Fotospaß auf der Silberhochzeit Wiedersehen nach über 6 Monaten - Felix mit seiner Familie

Obwohl sich Zuhause alle rührend und liebevoll um uns – und auch den Bulli – gekümmert haben, haben wir uns doch nach 1 Woche wieder verabschiedet und auf den Weg Richtung Tschechien gemacht. Wir sind jedoch mit dem Vorsatz abgefahren, dass jetzt erstmal Schluss ist mit dem Gehetze, denn wir wollen die letzten Wochen unserer Europareise voll und ganz genießen!

Dringend nötig! - Lotte bekommt eine Wäsche von Christins Bruder

Na shledanou!

3 Länder in 8 Tagen – Das Baltikum

Freitag, 11.07.2014

Im Reiseführer haben wir gelesen, dass die baltischen Staaten Wert auf ihre Eigenständigkeit und Unabhängigkeit legen. Die kurze Zeit, welche wir dort waren, hat jedoch leider nicht gereicht, um diese feinen Unterschiede zu bemerken. Abgesehen von den verschiedenen Sprachen scheinen sich die 3 Länder sowohl kulturell, als auch landschaftlich und kulinarisch recht ähnlich zu sein.
Da wir am Ende unseres Abstechers ins Baltikum wieder in Polen sein wollten, sind wir durch Litauen, Lettland und Estland an der Ostseeküste bis nach Tallinn gefahren und dann im Landesinneren durch Estland, Lettland und Litauen bis zur polnischen Grenze zurück.

Allein in litauischer Feld und Flur Lila Wolken

Die drei baltischen Hauptstädte sind wahre Schönheiten. Vilnius haben wir uns bei Nacht angeschaut und waren wirklich begeistert. Es ist eine Universitätsstadt und das merkt man auch: im Zentrum waren viele junge Leute unterwegs; es gibt zahlreiche Bars und Kneipen. Riga wiederum ist mit ca. 700.000 Einwohnern die einzige wirkliche Großstadt des Baltikums. Viele imposante Gebäude und Jugendstilbauten prägen das Stadtbild. Da wir in Tallinn leider im strömenden Regen angekommen sind, besichtigten wir die Hansestadt schließlich spontan im Dunklen während einer kurzen Regenpause.

Vilniaus rotušės - Das Rathaus der litauischen Hauptstadt Auf ein Bierchen im Zentrum Rigas
Das Schwarzhäupterhaus in Riga Tallinn bei Nacht
Dicke Margarete und Olaikriche in Tallinn

Doch die 3 Länder haben natürlich noch mehr zu bieten. Wie auch in Polen gibt es traumhafte Sandstrände, jedoch lädt die baltische Westküste ein, Sonnenuntergänge über dem Meer anzuschauen. Außerdem sind einige sehr sehenswerte und landschaftlich schöne Nationalparks, wie z.B. der Lahemaa Rahvuspark im Norden Estlands, das i-Tüpfelchen im ohnehin recht ländlichen Baltikum. Des Weiteren lässt sich noch sagen, dass durch die Nähe zu Russland in manchen baltischen Städten über 80% der Einwohner russischstämmig sind und somit dort auch fast nur Russisch gesprochen wird.

4400km baltische Küstenlinie Jūrmala - Die Lettische Riviera
Stille Ostseeidylle im äußersten Norden des Baltikums Im Lahemaa Nationalpark

Die gute, bodenständige Küche eint die baltischen Länder. Es wird sehr deftige und reichhaltige Hausmannskost ohne viel Schnick Schnack serviert und mehr noch: man wird preisgünstig satt! Jedoch haben wir festgestellt, dass die Preise steigen, je weiter nördlich man fährt.
Auf vielen Speisekarten findet man die verschiedensten Suppen und Eintöpfe, die Auswahl an Schwarzbrot ist riesig und fast überall werden jetzt im Sommer am Straßenrand Pilze und Beeren verkauft.

Rosols und kāpostu zupa Traditionelles Abendessen in Vilnius

Kurz bevor wir das Baltikum wieder verlassen haben, hatten wir zum Glück nicht schon wieder selbst eine Panne, sondern sind zur Abwechslung mal zum Pannenhelfer geworden… Auf der Fahrt nach Vilnius haben wir Biggi und Fritz, ein deutsches Paar, aufgegabelt. Sie hatten eine Panne mit ihrem Tandem und wir haben sie über 200km bis Vilnius im Bulli mitgenommen, wo sie dann nach den entsprechenden Ersatzteilen suchen konnten.

Platz ist im kleinsten Bulli Mit Biggi und Fritz endlich in Vilnius angekommen

Iki pasimatymo!

Wir sind wieder zu Dritt! Und weiter geht’s…

Mittwoch, 02.07.2014

Bereits vor über 2 Wochen haben wir den Rücktransport von Norwegen nach Deutschland durch den ADAC in Anspruch genommen. Innerhalb von 15h haben uns verschiedene Busse und Züge von Eidfjord nach Bergen gebracht, dann sind wir von Bergen nach Kopenhagen und anschließend von Kopenhagen nach Hamburg geflogen und zu guter Letzt sind wir mit einem Leihwagen von Hamburg nach Flensburg gefahren. ;)
Zu diesem Zeitpunkt war der Bulli schon in der Flensburger Werkstatt, aber noch nicht fertig repariert. Die Reparatur hat sich verzögert, da sich beim Erneuern der kaputten Zylinderkopfdichtung leider herausstellte, dass auch der Zylinderkopf selbst ausgetauscht werden muss. Zum Glück konnten wir währenddessen bei Anna wohnen – nochmals vielen Dank!

Letzter Blick auf Norwegens Fjorde Flensburg - Immer wieder schön!
Mit Yvonne und Anna das Warten auf den Bulli versüßen :) Endlich wieder im Bulli frühstücken

Nach einem Zwischenstopp in Wolgast bei Felix‘ Onkel und Tante haben wir Deutschland wieder verlassen. Über Usedom sind wir nach Polen gefahren und haben unsere Reise an der polnischen Ostseeküste entlang fortgesetzt. Dort gibt es nur wenige kleine Städte, dafür aber umso mehr Natur – viel Grün wechselt sich mit endlos langen Sandstränden ab.

Und am Ende der Straße steht ein Bulli am See Überall Blumen in den polnischen Nationalfarben - Zufall?

Die Polen sehen ab und an ein wenig griesgrämig und furchteinflößend aus – auf den zweiten Blick sind sie jedoch sehr freundlich und selbst, wenn sie kein Englisch sprechen, versuchen sie sich mit Händen, Füßen und ein paar Brocken Deutsch oder Russisch zu verständigen.
Unserer Meinung nach ist die polnische Ostsee Mecklenburg-Vorpommern landschaftlich recht ähnlich und gefällt uns sehr gut. Wir sind jedoch auch durch kleine Ortschaften gefahren, die regelrecht zerbröckelt und verfallen sind. Außerdem sind die Straßen oft eine reine Katastrophe und wir mussten mit dem Bulli höllisch aufpassen bei all den Schlaglöchern und Bodenwellen.
Nicht erwartet hatten wir, dass nahezu überall kostenlos WLAN verfügbar ist… So fortschrittlich haben wir bisher kein anderes Land erlebt; meistens mussten wir zum Internetten zu McDonald’s!

Kaffeepause und freies WLAN auf einem Dorfparkplatz Typisch für Polen - Deftiges Essen zum kleinen Preis

Die polnische Hafen- und ehemalige Hansestadt Danzig lag genau auf unserer Route und war eine nette Abwechslung zum vorhergehenden Natur-Programm. Wir waren echt überrascht – Danzig ist wunderschön, sehr modern und selbst in den Randgebieten überhaupt nicht runtergekommen. Danach führte unser Weg durch die Masuren und weiter in Richtung der litauischen Grenze. Mittlerweile sind wir im Baltikum angekommen und schauen uns hier mal um. :)

Der historische Hafen von Danzig Neptunbrunnen in Danzig
Die Masurische Seenplatte Dunkle Wolken über den Masuren

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